“Enjoy the rainforest!“

„Enjoy the rainforest!“ und „Enjoy the sea breeze!“ sagt Dickson gefühlt 100 Mal am Tag. Dickson liebt sein Land und will, dass wir die Zeit hier genießen. Und er liebt den Regen, es ist ihm zu heiß in Ghana, wie vielen anderen Ghanaern auch. Er ist ungefähr 25 Jahre alt, arbeitet seit 4 Jahren für die Organisation, ist Katholik und legt schon mal seine heilenden Hände auf wenn es einem seiner Schützlinge schlecht geht und betet dabei. Dickson begleitet uns auf einigen Ausflügen durch sein Land. Sein Ghana.
Die Küste am Golf von Guinea ist in vier Abschnitte eingeteilt, deren Namen noch aus der Kolonialzeit stammen und wiedergeben welche „Waren“ in den jeweiligen Gebieten bevorzugt gehandelt wurden. Da gibt es die Pfefferküste, das heutige Liberia, die Elfenbeinküste westlich von Ghana, die Sklavenküste welche Benin, Togo und weite Teile Westnigerias im Osten Ghanas umfasst und die Goldküste und das ist das heutige Ghana.
Wir fahren in den Westen Ghanas in die Central Region. Die Central Region ist eine von 10 ghanaischen Regionen und mit ca. 10.000km² eines der kleineren, aber sehr dicht besiedelten Gebiete. In der Central Region treffen völlig unterschiedliche Kulturen aufeinander denn hier tummelten sich abgesehen von den Einheimischen Fanti noch Portugiesen, Niederländer, Briten, Dänen und ein paar Deutsche. Die Deutschen haben aber nur eine kaum erwähnenswerte Burg hinterlassen: die Sklavenburg Groß Friedrichsburg in Prince’s Town. Während die Deutschen sich Togo östlich von Ghana vornahmen, besetzten vor allem die Portugiesen Ende des 15. Jahrhunderts Ghana. Wir fahren auf einer gut ausgebauten Straße vorbei an Lehmhütten mit Strohdächern, Straßenhändlern und Regenwald nach Cape Coast, dem Kakum Nationalpark und Elmina.
Das Elmina Castle hat schon viele Namensänderungen erfahren. 1482 von den Portugiesen als erste europäische Festung an der Küste Schwarzafrikas errichtet wurde es Fort São Jorge da Mina getauft und diente den Portugiesen als Hauptquartier und als Zentrale für den Gold- und Elfenbeinhandel mit den Einheimischen. Direkt gegenüber der Burg liegt eine zweite Festung mit sehr ähnlichem Namen: São Jago da Mina. Diese wurde um 1637 von Niederländern unter dem Namen Conraadsburg errichtet um den Handelsstützpunkt militärisch abzusichern. Mit den Niederländern begann auch der Sklavenhandel welchen sie mit den einheimischen Ashanti betrieben und das Fort São Jorge da Mina wurde umgetauft in Fort St. Jorge. Wir besichtigen das Castle, sehen die Dungeons und der Guide findet es wichtig und witzig uns in zwei Zellen zu stecken und die Türen zu verschließen: die Europäer sollen selber erleben wie es war als die Sklaven dort gefangen gehalten wurden. So kann man eine Führung auch gestalten. Als Anfang des 19. Jahrhunderts der Sklavenhandel verboten wurde, wurde es den Niederländern langweilig und sie räumten die beiden Forts freiwillig und machen den Briten Platz die wiederrum bis zur Unabhängigkeit Ghanas die Burgen besetzt hielten. Und von den Briten erhielt das Fort auch seinen vorletzten Namen St. George’s Castle bis es dann im Zuge der Unabhängigkeit Ghanas umgetauft wurde in Elmina Castle. Seit 1979 sind das Elmina Castle und das Fort Sao Jago da Mina Weltkulturerbe.

Auch der Kakum Nationalpark soll Weltkulturerbe werden wenn es nach Ghana geht. Der Kakum Nationalpark liegt 30km von Cape Coast entfernt und erstreckt sich über 350km² Regenwaldgebiet. Hier gibt es Waldelefanten, Waldbüffel und Riesenwildschweine – gesehen haben wir allerdings nur große schwarze Ameisen. Und natürlich Regenwald. Das Highlight des Nationalparks ist der Canopy Walk, eine Hängebrückenkonstruktion inmitten des Regenwaldes bestehend aus 7 Brücken die keinerlei deutschen Sicherheitsstandards auch nur annähernd genügen. War ein wenig wie 2 Stunden Achterbahn fahren, aber die Aussicht war natürlich wesentlich besser.

Viel Zeit die Aussicht zu genießen bleibt uns nicht, denn wir sollen zurück nach Cape Coast. Cape Coast war, bevor die Portugiesen kamen, ein beschauliches kleines Fischerdorf mit dem Namen Oguaa. Das Dorf wuchs unter den Handelsaktivitäten zwischen Europäern und Einheimischen auf bis heute 143.000 Einwohner heran und war eine ganze Zeit lang Hauptstadt der Goldküste.

Touristisches Highlight der Stadt ist das Cape Coast Castle. Die Burg wurde von Niederländern 1637 errichtet und 15 Jahre später von Schweden eingenommen und war damals einer der größten Sklavenumschlagplätze der Welt. 1659 wurde sie dänisch, zwischen 1660 – 1663 eroberten und besetzten die einheimischen Fetu die Burg, 1663 wurde sie wieder schwedisch und 1665 britisch. Seit 1979 steht auch diese Festung Ghanas auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Cape Coast hat aber nicht nur die bekannteste Sklavenburg der Goldküste, sondern ist vor allem durch den Einfluss der Briten zum Bildungszentrum Ghanas herangewachsen. Es gibt, für ghanaische Verhältnisse, sehr viele Schulen und Universitäten, zum Beispiel auch eine pädagogische Hochschule, so dass Ghana kaum Lehrkräftemangel hat und viele Absolventen ins Ausland gehen. Ob die Kinder, die wir am Strand von Cape Coast getroffen haben, später auch zu Ghanas Bildungselite gehören?

4 Gedanken zu ““Enjoy the rainforest!“

  1. Stephan schreibt:

    Wow, wieder einmal ein sehr spannender, durchgängiger bericht. wenn ich mir nur so gut historische daten merken könnte…;) die aufnahmen sind auch wieder super und das du deinen stil beibehälst gefällt mir sehr! ganz viele liebe grüße aus dresden..

  2. Wolfgang schreibt:

    Schön das das Internet wieder funktioniert. Die Fotos gefallen mir sehr, Dein Bericht ist wie immer spannend und lehrreich.
    Ich hoffe, dass Du die Probleme mit dem Essen gut überstanden hast. Was macht Dein eigentliches Projekt, kommst Du gut voran?

    Ganz liebe Grüße
    von Elke und Wolfgang

  3. sbwe schreibt:

    mir gefällt besonders das letzte Foto. Diese großen Augen. Die Hängebrücken sehen schon sehr wacklig aus , nicht wie im Nationalpark Hainichen. Schade,dass ihr die großen Tiere nicht gesehen habt.
    liebe Grüße

  4. Steffi schreibt:

    Wieder einmal tolle Bilder und auf jeden Fall ein interessenter Beitrag, äußerst lehrreich. Ich hoffe dir geht’s auch gut?!

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