Maranata

Joseph möchte gern nach Deutschland und dort sein Geld als Taxisfahrer verdienen, so wie er es die letzten 10 Jahre in Accra getan hat. Ich versuche ihm zu erklären, dass das nicht so einfach ist: der Flug ist teuer, er spricht kein Deutsch und er kann nicht auf ein beliebiges Auto vom Schrottplatz einfach „Taxi“ schreiben und Personen befördern. Ich versuche gar nicht erst etwas von TÜV und Personenbeförderungserlaubnis, Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung und Versicherungen zu erzählen. Er schaut traurig aus, aber er scheint es zu verstehen.

Nach Europa zu kommen ist der große Traum vieler Ghanaer und der Traum vieler Europäer, die man in Ghana trifft, ist es für immer in diesem Paradies zu bleiben. Aber letztendlich gibt es das Paradies auf Erden allerhöchstens in Jena. Allem Lokalpatriotismus zum trotz waren wir am Wochenende an einem Ort in Ghana, welcher der europäischen Vorstellung von einem Paradies schon sehr nahe kommt.

Wir brechen früh auf und fahren in die Nähe von Ada Foah, einem kleinem Dörfchen am Volta Delta im Osten Ghanas. Das Maranata Beach Camp erreicht man nur mit dem Boot.

Wir treffen auch hier auf einen hilfsbereiten Rastaman der uns ein Fischerboot für 7 Cedi besorgt welches uns in 20 Minuten stromabwärts zum Camp bringt. Maranata liegt genau zwischen dem Golf von Guinea, dem Volta und dem Voltadelta.

Im Camp stehen 20 Hütten aus Stroh und Palmenblättern direkt auf Sand und in ihnen ist ein Doppelbett mit Moskitonetz. Die sanitären Anlagen bestehen aus Löchern im Strand, drum herum Palmenblätter als Sichtschutz und einem Eimer Wasser zum Duschen. Nachts sehen wir die Sterne über uns und glitzerndes Plankton zu unseren Füßen.

Uns geht es gut – mehr als ein paar Palmenblätter und ein Bett braucht man hier nicht um glücklich zu sein.

Die Menschen am Voltadelta haben im Großen und Ganzen zwei Wirtschaftszweige für sich erschlossen. Zum einen sind da die ertragsreichen Fischbestände des Volta und des Golf von Guinea welche vielen Bewohnern der Volta Region ein hartes, aber gutes Leben ermöglichen.

Eine kulinarische Spezialität in der Region ist über Mangrovenholz geräucherter Fisch. Da ich mich aber als äußerst unbegabt im kleckerfreien Zerteilen von Fisch mit der rechten Hand herausgestellt habe, bleibe ich bei Fried Yam. Das ist so ähnlich wie Pommes, nur geschmacksneutraler.

Der zweite Wirtschaftszweig, der vielen Menschen ein Einkommen sichert, ist der Tourismus. Durch seine idyllische Lage zwischen Volta und dem Golf von Guinea ist die Volta Region für wohlhabendere Ghanaer und Touristen ein beliebtes Erholungsgebiet. Auch Alfred arbeitet im Tourismusbereich. Alfred ist in den Sommermonaten im Maranata Beach Camp angestellt und bietet Urlaubern Touren mit dem Paddelboot an. Für 15 Cedi paddelt er uns 2 Stunden lang durch den Volta, vorbei an kleinen Inseln und Mangroven. An einer Insel legt er an. Hier liegt das Dorf Alorkpen, welches wir besichtigen sollen. Die Bewohner von Alorkpen leben von der Herstellung von und dem Handel mit Zuckerrohrschnaps.

Das Dorf ist klein und überschaubar und wir sind sehr erstaunt als wir hinter einigen Mangroven auf einmal vor einer großen und schönen Schule stehen. Der Alorkpen Basic School Complex wurde von Niederländern errichtet und wir fragen uns, ob auch genug Kinder in Alorkpen leben um die Schule mit Leben zu füllen.

Die restliche Zeit verbringen wir am Strand den wir fast für uns allein haben. Einzig mit Krebsen und Müll müssen wir uns den Strand teilen.

Man wird gelassen in Ghana. Vor wenigen Wochen noch hätten wir den Strand angeekelt verlassen, nun stören wir uns kaum an dem angespülten Plastikmüll und sind mehr damit beschäftigt zum Obibini zu werden. Am nächsten Morgen treffen wir Kinder am Strand. Sehr häufig wird man von Kindern um Geld angebettelt, auch diese betteln, aber nicht um Geld. Sie wollen nur unsere Zeit und Gesellschaft: wir sollen mit ihnen spielen. Machen wir gern.

4 Gedanken zu “Maranata

  1. sbwe schreibt:

    im vergleich zu den letzten Bildern aus Accra, ist dies natürlich eine tolle Gegend. Die Krabben oder Krebse sehen schon sehr groß aus, wie sie da aus dem Wasser kommen.

  2. Stephan schreibt:

    ich mag es kaum glauben, dass beide in diesem und letzten beitrag beschriebenen orte im gleichen land nur wenige stunden fahrt entfernt liegen: die gegensätze suchen ihresgleichen. die krebse sind putzig und das kinderlächeln so schön..

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.