Ghanaisch Leben Einkaufen und Essen

„Kaneeesh, Kaneeesh“ – mit durchdringender, nasaler Stimme ruft der Mate aus dem Tro Tro das Ziel seiner Fahrt aus um Fahrgäste zu gewinnen. Eine ganz ursprüngliche Art der Werbung. Ursprünglich, fast mittelalterlich anmutend, sind auch die Straßenhändler. Der Schuhputzer, der durch die Straßen läuft und monoton mit seiner Bürste auf eine Holzkiste klopft in der er die Reinigungsmittel aufbewahrt.

Die Frauen, die mit einer ganz eigenen Verkaufsstimme unüberhörbar „Plantain, Plantain“ rufen während sie eine Schüssel voller Bananen durch die Straßen balancieren. Und das verwirrend klingende „Mirror, Mirror“ des Spiegelverkäufers, bei dessen Klang man denkt seine Ware wären Schafe. Oder die ganz non-verbale Werbung des Schneiders für sein Handwerk – er trägt einfach seine Nähmaschine auf dem Kopf.
„Kaneeesh, Kaneeesh“ ist also der Ausruf des Mates, dessen Tro Tro zum Kaneshie Markt fährt, einem der größten Märkte Accras. Es ist eine schier unüberschaubare Markthalle, mit der Größe mehrerer Fußballfelder und 3 Etagen. Der Kaneshie Markt ist aber noch viel größer – er befindet sich nicht nur in der Markthalle, sondern bezeichnet ein Areal von gut einigen Kilometern Durchmesser um die Halle herum auf der sich nicht offiziell bestätigten Gerüchten zur Folge täglich eine Millionen Händler und Käufer bewegen. Und dort gibt es nichts, was es nicht gibt. In der untersten Etage kann man Obst, Gemüse und Frischfleisch erstehen. Obst gibt es frisch und in großer Auswahl, Gemüse gibt es und Fleisch auch, aber die Abteilung meidet man als Europäer lieber, außer man steht auf frisch getötete Ratten (eine Delikatesse!) zwischen lebenden Hühnern, Fisch und Metzgern bei angenehmen 25°C aufwärts…
Genau genommen ist ganz Accra, ja vielleicht ganz Ghana, ein riesen Marktplatz. Denn überall bewegen sich Straßenhändler die wirklich jede erdenkliche Ware auf ihrem Kopf balancieren und zum Verkauf anbieten. Man kann einen kompletten Einkauf aus dem Tro Tro heraus erledigen: Zwiebeln, Tomaten, Karotten, Nudeln, Öl, Topf – während man sich quälend langsam im Tro Tro durch Accras Straßen bewegt kann man die Zutaten für ein ganzes Abendessen erstehen, direkt durch die stets geöffneten Fenster des Tro Tro. Man kann aber auch Taschentücher, Rasierer, Telefonkarten, Bürsten und Kämme, Zahnpasta und Zahnbürsten, Medikamente, Spiegel, Ohrstäbchen, Toilettenpapier und Schüsseln erwerben.
Der größte offizielle Markt Accras ist allerdings der Makola Markt, der sich mit seinen engen und dunklen Gassen über mehrere Hektar erstreckt und dessen Laufwege kaum 50 Zentimeter breit sind.
Wem es zu stressig ist auf diesen Märkten einzukaufen oder wer keine Lust hat selber zu kochen muss dennoch nicht verhungern. An jeder Ecke gibt es Frauen die Ghanas Spezialitäten für nur wenige Cedi zum Verkauf anbieten.
Für europäische Mägen gut zu vertragen ist Fried Rise. Fried Rise ist weißer Reis, welcher in reichlich Öl angebraten wurde und Spuren von Karotten und Frühlingszwiebeln enthält. Dazu wird eine sehr scharfe schwarze Soße gereicht, deren Zusammensetzung bislang unklar ist.
Wem das noch nicht scharf genug ist der kann Jollof Rise probieren. Für Jollof Rise werden Zwiebeln mit Tomaten und Tomatenmark angebraten und mit Paprika, Pfeffer und Salz gewürzt. Vervollständigt wird dieses Gericht durch Bohnen oder Karotten und der unbekannten scharfen schwarzen Soße. Dazu gibt es dann häufig Fisch, Hühnchen oder Lamm.
Sehr lecker und wie immer sehr scharf ist auch Reis mit Palaversoße. Palaversoße besteht aus Spinat, allerlei Gewürzen und Tomatenmark.
Und nun wird es mit Red Red langsam richtig ghanaisch. Red Red sind gebratene Kochbananen mit Bohnenmus und natürlich, wie sollte es anders sein: Reis. Und natürlich scharf. Kochbananen sind in Ghana sowieso äußerst beliebt: ob als Beilage zu Gerichten oder in kleinen Stücken mit einer scharfen Gewürzen mariniert – Kochbananen gibt es immer und überall. Schade nur, wenn man weiche, heiße und scharfe Bananen nicht mag…
Die Krönung der ghanaischen Kochkunst sind allerdings FuFu und Banku. Während der säuerliche Banku Kloß eher fester Natur ist, ist Fufu von der Konsistenz her mit Grießbrei zu vergleichen. Fufu wird aus Yams und Kochbananen hergestellt, welche zuerst weich gekocht werden um dann in einem riesengroßen Mörser mit einem übermanngroßen Stößel zu einem Brei verarbeitet. Dieser wird, genau wie Banku, in eine auf jeden Fall scharfe Soße unterschiedlicher Geschmacksrichtungen (zB. verdorben-fischig, erdnussbutterartig oder einfach nur wirklich scharf) geschmissen. Gegessen wird, wie üblich, nur mit der rechten Hand nachdem man sich diese in einer kleinen Schüssel mit Spüli gewaschen hat.
Und selbst Naschkatzen kommen in Ghana auf ihre Kosten. Es gibt zum Beispiel Poppies, das sind Chipsletten in einer Pringlesdose oder auch Fanice in verschiedenen Geschmacksrichtungen, wobei das Rote an Erdbeer-Fruchtzwerge erinnert, nur ein wenig chemischer, und das Weiße an das Softeis von Mc. Donalds. Dann gibt es noch Bofrots, das sind vor Öl und Fett triefende, Berliner ähnliche, Teigbällchen. Außerdem sehr beliebt sind Erdnüsse und Popcorn, sowie Mürbteiggebäck. Und das alles bekommt man natürlich während man im Tro Tro im Stau steht von den Straßenhändlern bis vor das Fenster gebracht.
Und wem das alles nicht zu sagt oder wer nach fast 7 Wochen schlichtweg kulinarisch Heimweh bekommt, der fährt an den Strand oder nach Osu, dem Party- und Reichenviertel Accras. Am Strand gibt es einen (echten!) Italiener der hungrige Europäer mit hauchdünner Pizza, leckerer Pasta und frischen Bruschetta verwöhnt. In Osu gibt es natürlich auch Pizza, aber eher Marke Joeys, Pita und richtig echte Pommes, die einen an die Sommer am Schleichersee in Jena zurückdenken lassen. Außerdem gibt es in Osu eine tatsächlich europäisch anmutende Kaufhalle. Da kann man dann wirklich alles einkaufen, sogar frischen Salat, den man auf den Märkten eher selten bekommt. Allerdings waren wir das letzte Mal vor 5 Wochen im Koala Markt – man kommt mit dem was Accras Einheimische zu bieten haben sehr gut aus.
Obwohl es in Ghana wirklich alle nur erdenklichen Früchte gibt, sind Fruchtsäfte weitgehend unbekannt. Frischgepresste Fruchtsäfte bekamen wir bislang nur in europäisch geführten Lodges auf unseren Ausflügen oder bei besagtem Italiener. Dafür gibt es reichlich pure water, also stilles Wasser. Dieses kann man ganz normal in Plastikflaschen kaufen oder, wesentlich günstiger, in sogenannten pure water bags. Das sind Plastikbeutel mit 500ml stillen Wasser welche man an einer Ecke aufbeißt und dann im Mund ausdrückt. Außerdem, wie wahrscheinlich wirklich überall auf der Welt, gibt es Cola, Sprite und Fanta und natürlich auch Säfte aus dem Tetra Pack, welche mit 3-4 Cedi aber sogar teurer als in Deutschland sind.
Mein kulinarisches Fazit nach 7 Wochen? Es gibt einiges was ich esse und von vielem nur die Hälfte. Im Aussortieren war ich ja schon immer gut und die Liste im Geiste mit Wunsch-Gerichten die ich in Deutschland gern wieder essen würde wird immer länger.

Veröffentlicht in: Ghana

Ein Gedanke zu “Ghanaisch Leben Einkaufen und Essen

  1. Stephan schreibt:

    ..na dann: Guten Appetit! Mich würde noch interessieren, ob die Straßenhändler eher zurückhaltend oder doch aufdringlich sind? Wie kommst du mit der Masse an Menschen und Waren auf den riesigen Märkten zurecht? Ich kann mir vorstellen, dass ich doch recht schnell die Lust am „Shopping“ verlieren würde. Aber das FanYogo auf dem Bild erinnert mich von der Verpackung her eher an chinesische Spielwaren 😉

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