In God we trust Teil 1

Nur langsam beginnt unsere Reise in den Westen Ghanas. Es ist halb 8 am Morgen und wir sitzen im Tro Tro Richtung Takoradi und warten darauf, dass es sich bis auf den letzten Platz gefüllt hat und losfährt. Ein Tro Tro ist eines jener Fortbewegungsmittel in der Größe eines VW-Kleinbusses in welches  16 Sitzplätze montiert sind zuzüglich der 2 Sitzplätze neben dem Fahrer. Dass das Tro Tro 18 Sitzplätze hat heißt aber mitnichten, dass auch nur 18 Passagiere mitfahren – Fahrkarten werden pro Sitzplatz verkauft, nicht pro Person und so ist es nicht unüblich, dass auf einem Sitzplatz eine ghanaische Mama mit ein bis drei Kindern sitzt. Wenn dann alle 18 Sitzplätze besetzt sind sitzen inklusive Fahrer 19 – 26 Personen in dem kleinen Bus und dann kann die Fahrt rein theoretisch losgehen. Nicht so an diesem Morgen. Auf einmal wird es ungewöhnlich still im Bus, die Köpfe werden gesenkt und bevor wir verstehen was passiert hören wir das erste „Amen“ – es wird gebetet. Das Gebet ist auf Twi und dennoch beschleicht uns das ungute Gefühl, dass der Busfahrer zu Gott betet damit wir die Fahrt heil überstehen. Wenn der Fahrer schon nicht an seine Fahrkünste und seinen Bus glaubt…

Auch als eher weniger religiöse Menschen überstehen wir die Fahrt und kommen sicher, mit den üblichen blauen Flecken die man sich im Tro Tro holt, in Takoradi an. Nach zwei weiteren Tro Tro Fahrten auf den für Ghana typisch unausgebauten, sandigen und mit Schlaglöchern gespickten Straßen erreichen wir nach insgesamt 9 Stunden Fahrt und 200 zurückgelegten Kilometern mit den letzten Sonnenstrahlen des Tages die Green Turtle Lodge an der Westküste Ghanas. Für 5 Cedi pro Nacht können wir in der von Briten zum Schutz der Green Turtles betriebenen Lodge in Zelten am (sauberen!) Strand übernachten. Und auch hier begegnen wir der starken Religiosität der Ghanaer, wenn auch weniger beunruhigend als während des Gebetes im Tro Tro: über der Bar hängt ein Schild „Jesus loves Cocktails“.

Westghana gehört aufgrund seiner natürlichen Ressourcen an Gold, Diamanten, Mangan, Eisenerz, Öl und Gas zu den reichsten Regionen des Landes. An der gut 150km langen Küste, welche unterbrochen wird durch Lagunen und Flußmündungen, sind unzählige verlassene Strände und ursprüngliche Fischerdörfer.

Wir reisen nach Busua, einem jener kleinen Fischerorte mit paradiesischem Flair, und beobachten die Fischer wie sie am Abend ihren Fang einholen. Nach einer Stunde harter Arbeit von 10 Männern und gut ebenso vielen Kindern ist die Ausbeute mager: ein Fisch und 2 Quallen haben sie dem Meer entreißen können.  Auf einmal hören wir fröhliche Kapellenmusik und sehen in schwarz-weiß gemusterte Gewänder gekleidete Menschen durch das Dorf tanzen: wir werden Zeuge einer ghanaischen Beerdigung. Beerdigungen werden in Ghana für gewöhnlich mit einer Trauerphase eingeleitet in der Gebete gesprochen und Opfergaben gebracht werden. Darauf folgt die Zeit der Erneuerung in der Harmonie in der Gemeinschaft gesucht wird, Streitigkeiten untereinander beigelegt werden und man sich von seinen Sünden befreit. Wir werden eingeladen an der dritten Phase teilzunehmen: der Zeit der Freude in welcher das Leben des Verstorben mit viel lauter Musik, Tanz und reichlich gutem Essen gefeiert wird. Man freut sich, dass wir an der Beerdigung teilnehmen und wir tanzen bis spät in den Abend zu Techno und Drum `n Bass, ohne jemals zu erfahren wessen verschiedenes Leben wir eigentlich feiern.

Erschöpft fallen wir in der Nacht in das Bett in Sabinas Guesthouse, aber viel zu aufregend und erlebnisreich war der vergangene Tag und so schlafen wir erst spät ein.

Ein Gedanke zu “In God we trust Teil 1

  1. sbwe schreibt:

    wir schauen z.Z im Fernsehen auf National Geographic“ Down under – egal wie“ – eine Reise von Irland nach Australien. Das Team nutzt alle Fahrgelegenheiten , die es gibt auf den über 18 Tausend Kilometern und sie klagen auch über blaue Flecken beim Fahren von Tro Tros und Tuk Tuks. So stell ich mir eure Tro Tros vor. Also gut dass der Fahrer vorher betet, man weiss ja nie -vielleicht hilft es doch, dass das Teil nicht auseinander fällt. 9 h – 200 Kilometer, das ist zweimal Jena umrundet. Das Foto ist wieder super. Grenn Turtle Lodge sieht toll aus. Habt ihr die großen Schildkröten gesehen.?

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