Auszeit im wunderschönen Rheingau Weinberge bis zum Horizont

Rheingau… erst mal googeln wo das überhaupt ist. Das Gebiet erstreckt sich westlich von Wiesbaden, nördlich des Rheins bis zur Lorelei. So in etwa zumindest. Auf jeden Fall Hessen. Nördlich vom Rhein ist Hessen und irgendwann NRW, südlich Rheinland Pfalz.

Wir bezogen unser wirklich sehr schönes Quartier in Eltville. Eltville ist mit knapp 17.000 Einwohnern die größte Stadt im Rheingau und trägt die meisten Städtetitel, nämlich: Weinstadt, Sektstadt, Rosenstadt und Gutenbergstadt. Das Wesentliche von Eltville hat man in einer Stunde gesehen – und war währenddessen noch in zwei Läden shoppen. Die Rheinpromenade, die kurfürstliche Burg, hübsche Fachwerkhäuser und weintrinkende Eltviller Einwohner und Touristen an einem Weinprobierstand am Rhein.

Dass gerade Ferienzeit ist, merkt man in Eltville nicht. Das merkt man sowieso fast nirgendwo, außer an der Germania, aber dazu später. Das Rheingau scheint ein touristisch eher unbekanntes Reiseziel zu sein. Was ich überhaupt nicht verstehen kann. Denn es ist wunderschön dort. Weinberge soweit das Auge reicht, dazu überall Obstbäume und -hecken, leichte Wanderwege und zauberhafte Dörfer. Zum Beispiel Geisenheim.

Von Geisenheim aus starteten wir unsere erste Wanderung. In Geisenheim selbst steht ein Dom und irgendein ziemlich alter Baum vor dem Rathaus. Ansonsten: hübsche Fachwerkhäuser.

marienthalWir beginnen unsere Runde vorbei an Sonnenblumenfeldern auf dem Weg zum Kloster Marienthal. Immer wieder regnet es leicht, aber nicht unangenehm. Es ist still hier. Wir treffen kaum einen Menschen. Das Kloster ist, so lese ich bei Wikipedia, das Kloster mit der ersten Klosterdruckerei der Welt. Es gibt auch einen kleinen Druckschriftenverkaufsstand, aber es ist weit und breit keine an einem Verkauf interessierte Nonne zu sehen.

Vom Kloster aus geht es weiter zum Schloss Vollrads. Im Zentrum der Anlage befindet sich ein als Wasserturm errichteter Wohnturm. Dann gibt es eine große Freifläche, auf der jetzt im Sommer Konzerte stattfinden. Und ein Restaurant, in welchem wir es uns solange gemütlich machten, bis eine Biene meinte das Innere meines Hosenbeins erkunden zu wollen. Da war dann irgendwie Schluss mit der Gemütlichkeit. Immer dieses Viehzeuchs…

Weiter geht es zum Schloss Johannisberg. Das Schloss Johannisberg steht, man glaubt es kaum, auf dem Berg Johannisberg – einem der besten Weinanbaugebiete. Hier kommt übrigens der Fürst-von-Metternicht-Sekt her.

germania_wanderstreckeBislang sind wir kaum einem Touristen begegnet, für die Jahreszeit erscheint mir das Gebiet wie ausgestorben. Ich finde das seltsam. Und damit ich keine Touri-Entzugserscheinungen bekomme, machen wir uns am nächsten Tag auf dem Weg zur Germania. Wir beginnen unsere kleine Tour in Rüdesheim – und das ist nun wirklich touristisch. Eine kleine Bimmelbahn bringt (vermeintliche) Holländer und Asiaten durch das Dorf und eine Gondelbahn bringt selbige und uns auf den Rüdesheimer Berg in den Niederwald. Von der „Bergstation“ aus sind es nur wenige Schritte zur Germania. Die Germania nennt sich auch Niederwalddenkmal und soll an die Einigung Deutschlands 1871 erinnern. Gehört natürlich zum Weltkulturerbe. Wie gesagt, hier wimmelt es von holländischen und asiatischen Touristen und wir schlagen einen etwas abseits gelegenen Weg ein und schwupps, sind wir wieder allein im Wald. Mit einer Seilbahn geht es zurück ins Tal nach Assmannshausen und von dort aus via Schiff zurück nach Rüdesheim.

eberbachNachdem wir unserer Lauffaulheit mit Gondelbahn, Seilbahn und Schiff gefrönt haben, wurde es doch wieder Zeit sich ein bisschen mehr zu bewegen. In der Nähe von Eltville – um genau zu sein, ist es irgendwie ein Stadtteil von Eltville, liegt DAS Kloster Eberbach. Genau. DAS Kloster. Bekannt aus dem Film „Im Namen der Rose“. Fast alle Innenaufnahmen im Film wurden in diesem Kloster gedreht. Und weil es dadurch ganz doll berühmt ist, kostet es auch Eintritt und das nicht zu knapp. Aber was macht man nicht alles. Und zugegeben – mal abgesehen von einer Konzertbühne und einer Baustelle ist das Klostergelände von innen auch wirklich sehr reizvoll. Besonders mag ich ja den großen, offenen Schlafsaal der Mönche und natürlich die vielen kleinen Fenster und Türen.

Überall auf dem Gelände stehen Skulpturen. Menschen mit Tierköpfen. Ich lese ja so gut wie nie die begleitenden Tafeln, sondern lasse meiner Phantasie freien Lauf. Und während andere in den Skulpturen Märchen erkennen, sehe ich die Verbildlichung des Geschwisterinzest der Arthurssage.

Auf dem Weg zum Kloster durchqueren wir die kleine Gemeinde Kiedrich. Hier findet man eine hübsche Kirche und – wie soll es anders sein –  nett anzusehende Fachwerkhäuser.

Unser letzter Ausflug führt uns zur Abtei St. Hildegard. Schon auf anderen Ausflügen konnten wir die Abtei immer wieder von Weitem bewundern und wollten es uns nicht nehmen lassen, sie auch mal von Nahem zu sehen. Das Benediktinerinnenkloster ist natürlich auch Teil des UNSECO Weltkulturerbes. Bekanntheit hat es durch die Universalgelehrte Hildegard von Bingen, welche als erste Vertreterin der deutschen Mystik des Mittelalters gilt. Das geneigte Krümelmonster kennt sie durch die berühmten Dinkelkekse, welche wir natürlich im Klosterladen erworben haben. Sehr lecker das Ganze. Vorallem die Nervenkekse! Spekulatius auf gesund! Da steht sogar auf der Verpackung, dass sie kein Naschwerk, sondern ein medizinisches Produkt sind und man nicht mehr als fünf davon am Tag essen soll. Nunja, 20 haben auch nicht geschadet :D.

Aber auch neben den Keksen ist der Klosterladen wirklich sehr reizvoll. Die harmonische Auswahl an Büchern zu den Themen Ernährung, Religion, Philosophie und Psychologie und daneben viel Krimskrams läd den Buchhandel-Liebhaber zum Verweilen und stöbern ein. Naja, und zum Geld ausgeben.

Wer noch nie im Rheingau war, weiß jetzt zumindest wo es liegt. Ich kann nur dringend empfehlen in den Weinbergen ein paar Tage Urlaub zu verbringen. Kaum Touristen, einfache Wanderwege, viele Klöster und Schlösser, gutes Essen und vermutlich verdammt guter Wein, was ich nun selber nicht getestet habe, aber es würde ja durchaus Sinn machen, sonst wäre die Region ja nicht für ihren Wein berühmt.

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