Eine ruhige Auszeit Unser Sommerurlaub auf dem Darß

Mich sehnte es nach Ruhe. Keine Großstadt, keine Millionen Menschen, keine fremde Kultur, keine Reizüberflutung, nicht zu viele Eindrücke. Nach Marokko und London brauchte ich etwas Unaufregendes. So zum Ausgleich. Der Kopf muss die ganzen Eindrücke ja auch verarbeiten. Und zu verarbeiten gab es dieses Jahr viel, nicht nur auf Reisen, sondern auch sonst so.

Also Ruhe. Ich wollte gern an die Ostsee. Träumte von vorherbstlichen Stürmen am Meer, mit ausgebreiteten Armen am Strand stehen und den Kopf richtig durchpusten lassen. Nicht viele Touristen, keine Action. Einfach nur Natur und Ruhe.

Das alles bekommt man an der Ostsee, vorallem wenn man am Ende der verlängerten Hauptsaison anreist. Eine hübsche kleine Ferienwohnung, direkt am Deich, nur 500m vom Meer entfernt.

Und warum nun Ostsee und nicht Nordsee? Nun… Kindheitserinnerungen. Ganz wage verstecken sie sich im hintersten Winkel des Hirns. Ich sehe einen Campingplatz, erinner mich dunkel an ein Kinder-Kino und Alibaba und die 40 Räuber. Erinner mich an Kleckerburgen, Muscheln, Hühnergötter, ganz bestimmt echten Bernstein, Wasserlöcher-graben und Schwesterchen-im-Sand-einbuddeln. Und an Quallen. Und dann gibt es eine etwas spätere Erinnerung, kurz vor dem Erwachsen-sein. Da sehe ich eine wunderschöne idyllische Kleinstadt mit Strandpromenade.

Kurzum – ich wollte sehen, ob ich noch etwas erkenne. Was natürlich irgendwie absurd ist, denn erstens waren wir damals nicht auf dem Darß, zweitens ist das Ganze nun etwa 25 Jahre her und man kann die Deutlichkeit der Erinnerungen damit durchaus anzweifeln und drittens dreht sich die Welt ja in einem viertel Jahrhundert ein bisschen weiter.

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Nach fast 8 Stunden Anfahrt aus Bayern kommen wir also an. Das erste was uns positiv auffällt, sind die großen Schilder mit den Öffnungszeiten der Kaufhallen. Mo-Sa 8 bis 22 Uhr, Sonntag 9-13 Uhr. Ja, man ist definitiv nicht mehr in Bayern.

Die Ferienwohnung taugt uns und es geht direkt erst mal zum Strand. Und dort physisch angekommen, fühle ich mich auch psychisch angekommen. Das Rauschen der Meeres entspannt mich augenblicklich. Die Anspannung und der Stress der letzten Monate fallen scheinbar sofort von mir ab. Ich bin mit mir und der Welt im Reinen. Lange stehe ich schweigend einfach nur da und schaue gerade aus. Genieße den Geruch und die Geräusche. Spüre den kühlen Sand zwischen meinen Zehen.

Unser erster Ausflug führt am nächsten Tag zum Darßer Leuchtturm. Wie das an ersten Tagen so ist, stiefeln wir ziemlich unvorbereitet los. Ich hatte in einem Reiseführer gelesen, dass es dort ein Café gibt, also verzichteten wir auf ein ausgiebiges Frühstück und jammerten nicht, als uns auffiehl, dass wir Wasser vergessen hatten. Wir sind ja gleich da, da gönnen wir uns im Café etwas…

Und am Leuchtturm angekommen, dachten wir, wir spinnen: Ins Café darf man nur, wenn man vorher Eintritt bezahlt. Also der Eintritt ist eigentlich fürs Museum, aber ohne Museum kein Café. Finde ich auch heute noch doof, wenn ich so darüber nachdenke. Und wenn es dann anfängt doof zu sein, dann bleibts auch so. Dann nerven die Mücken am Strand und es fängt natürlich noch an zu gewittern. Den Rückweg bestreiten wir nicht mehr zu Fuß, sondern wir nehmen die Pferdekutsche. Da bezahl ich doch lieber für Pferde 5 EUR/Person, als Eintritt in ein Café. Ich glaube aber, dass wir schneller gelaufen wären. Es war eine sehr, sehr gemütliche Rückfahrt.

Ok, neuer Tag, neues Glück. Kann ja nur besser bzw. weniger frustrierend werden. Ich beginne von nun an jeden Morgen damit am Strand laufen zu gehen. Die Runden werden von Tag zu Tag größer. Ich sehe einige unerschrockene Nackt-Schwimmer, die sich in den frühen Morgenstunden bei einer Wassertemperatur von kaum 16 Grad in die Fluten stürzen. Sehe jeden Morgen neue Yoga-Gruppen. Finde immer einen nicht verschlossenen Strandkorb, um die Augen zu schließen und die Umgebung aufzusaugen.

Baden war ich übrigens nicht. So sehr ich das Meer liebe – die Weite, die Geräusche, den Duft – so wenig gern gehe ich darin baden. Und das liegt an zwei Dingen: Quallen und Algen. Finde ich beides super widerlich. Gebt mir also ein glasklares Meer ohne Viehzeuchs und ich werde baden gehen. Aber ganz sicher nicht in der Ostsee. Und auch bestimmt nicht in der Nordsee, außer da gibt es karibisch blaues Meer und höchstens ein paar Nemos. Nemos sind ok.

Tja, und mehr gibt es nicht zu berichten. Für die berühmte Kranichwanderung war es noch zu früh. Und ansonsten gab es halt einfach nur einen schönen Deich, einen schönen (und absolut sauberen!) Strand und das Meer. Geplante Langeweile also? Nicht unbedingt. Hirn ausschalten ja – aber das eine Woche lang zu machen, war uns dann doch zu riskant. Könnte ja dauerhafte Folgeschäden hervorrufen. Und deswegen unterbrechen wir die Ruhe immer mal wieder mit kleinen Ausflügen. Zweimal fahren wir nach Rostock bzw. Warnemünde und einmal nach Stralsund. Und an dem einzigen verregneten Tag fahren wir einfach nur ziemlich planlos umher. Aber dazu dann später.

Ein Gedanke zu “Eine ruhige Auszeit Unser Sommerurlaub auf dem Darß

  1. LomTro schreibt:

    Wunderschöne Fotos. Ich finde die deutsche See ist ausserhalb des Sommerurlaubes doch eh am schönsten. Aber aus Bayern an die Ostsee zu fahren ist schon eine Leistung für sich, finde ich 😉

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