„Jeder kann zaubern, jeder kann seine Ziele erreichen, wenn er denken kann, wenn er warten kann, wenn er fasten kann.“ Hermann Hesse, 1922

Und als die Fähigkeit zu Denken letztes Jahr gefühlt an einem seidigen Faden hing, da ging mir sogar der Glaube an mein eigenes, oft nervraubend oft zum Besten gegebenes, Mantra „Alles wird gut (man muss nur lange genug warten)“ verloren.

Aber letztendlich ist es genau so. Und es ist beruhigend erfahren zu haben, dass es, auch wenn der Glaube verloren geht, trotzdem so kommt. Dass alles gut wird.

Warten auf den Bezug der Finca. Erstes Erkunden von Artà.

„Leg dich schlafen. Der Morgen ist klüger als der Abend.“ (Russisches Sprichwort)

Manchmal dauert es länger als eine Nacht. 2016 war in meinem kleinen Universum ein so beschissenes, wie tolles Jahr. Furchtbar, weil einen das Leben mal so richtig derbe hart rannehmen kann. Und das, obwohl man sich von den Strapazen des vorherigen Jahres noch gar nicht richtig erholt hat. Eintreten auf jemanden, der gerade noch dabei ist die letzten Scherben zusammen zu setzen.

DIY-Ideen sammeln auf der wundervollen Finka Caro bei Artá.

„Das Leben mutet einem immer nur so viel zu, wie man aushalten kann. Und wir können scheinbar eine ganze Menge aushalten“. (Zitat einer Freundin)

Unglaublich toll, weil man die Scherben nicht allein zusammen setzen muss. Zu spüren, wie bedingungslos mein Mann, meine Familie und auch eine handvoll Freunde, mir immer wieder den Handfeger und Sekundenkleber gereicht haben.

Cap Formentor

Und jetzt gerade liege ich auf unserem neuen Sofa, in der tollsten neuen Wohnung, in einer wundervollen neuen Stadt, in der Nähe von Herzensmenschen. Um mich herum tobt unsere kleine Mascha – eine britisch Kurzhaar in russisch-blau. Vor mir liegt eines meiner Weihnachtsgeschenke: „Ganz schön Hesse! Weisheiten für entspannte Momente“. Vorsichtig lasse ich das Jahr Revue passieren. Angefangen hatte es ganz zauberhaft mit unserer Hochzeitsreise nach Santorin. Die nächste Reise war dann eher unfreiwilliger Natur: vier Wochen absolute Abgeschiedenheit und Ruhe im beschaulichen Bad Gögging, um mal wieder Scherben zusammen zu setzen.

Einmal falsch abgebogen: Nekropole Son Real nicht gefunden. Aber angeblich ist ja nicht das Ziel das Ziel, sondern der Weg. Und der war schön.

Zurück in den eigenen vier Wänden, die mir dann irgendwann auf den Kopf zu fallen drohten, ging es spontan für ein paar Tage zu Familie und Freunden nach Hamburg. Und um vor der unumgänglichen Rückkehr ins berufliche Chaos gab es noch mal eine Woche Kraft tanken in den Ammergauer Alpen. Inkl. der Kehrtwende, dem Anruf, der mich heute hier auf diesem Sofa liegen lässt.

Ermita de Betlem

Nach ein paar Wochen Belastbarkeitshärtetest noch einmal eine Auszeit. Und das sollte eigentlich das Hauptthema dieses Artikels sein, aber die Vorgeschichte dazu, musste nun auch mal zusammengefasst werden. Auch, weil ich dankbar bin. Dafür, dass ich hier bin, dass ich doch noch mehr Verstand als eine Kartoffel habe, noch laufen kann, noch mit meinen Händen etwas machen kann, mich noch halbwegs anständig verständigen kann. Und für die Menschen, die bei mir sind. Und für die, die mich trotz allem, bei sich haben wollen.

Cuevas de Artà und Lighthouse Cala Ratjada

Mallorca im November. Eine Woche mit der Familie, mit den Menschen, die mir am meisten Kraft gegeben haben dieses Jahr. Eine Woche, um gleich drei familieninterne Feiertage zu begehen.

Und einen davon mit einem ganz besonderen Event: einen Tag mit dem Sternekoch Jens Kruse bei uns auf der Finca. Angefangen hat aber alles in Palma im Café La Madeleine de Proust, wo wir uns mit Jens trafen, einander ein wenig kennen lernten und zusammen das Menü des Tages entwarfen. Danach ging es direkt in den gegenübergelegenen Mercat de Santa Catalina, um alle Zutaten ganz frisch einzukaufen.

Erster Gang: Kartoffel-Lauch-Suppe. Natürlich komplett selbst gemacht, also auch die Hühnerbrühe wurde frisch gekocht und das Brot selbst gebacken. Dazu gab es noch Aioli.

Weiter ging es mit einem ersten kleinen Snack, nämlich gebratenen Pilzen. Damit kann man mich nun zugegeben nicht so locken, Pilze esse ich ja nur in pürierter Form. Aber den Sud mit Brot aufditschen (damit hier mal wieder ein bisschen Dialektlokalpatriotismus einzieht) – das mag ich gern. Und lecker wars, auch wenn die Pilze zugegeben in Rohform etwas seltsam aussahen. Aber Blutreizker (vermute ich) sind eine mallorquinische Spezialität und den mutigen Essern haben sie sehr gut geschmeckt.

Als Hauptgang gab es Fisch, einmal gebraten und einmal in Folie gedünstet. Bevor es aber soweit war, musste das ganze Tier natürlich noch ausgenommen und teilweise filetiert werden. Aus einem kleinen Stück haben wir dann noch Tatar gezaubert – sehr sehr lecker!

Zum krönenden Abschluss gab es noch Mandelkuchen mit Mandeleis und Erdbeeren.
Gerade in der Vorweihnachtszeit ist mir einige Werbung im Fernsehen aufgefallen, die versprach Hilfe bei der Geschenkauswahl für Menschen die schon alles haben. Das fand ich ja ein bisschen strange, denn letztendlich ist es tatsächlich ganz einfach. Zeit. Umso älter man wird, umso mehr man selbst oder im direkten Umfeld mit der Vergänglichkeit von Gesundheit und Leben konfrontiert wird, umso bedeutungsvoller wird es, gemeinsam Zeit zu verbringen. Gerade wenn die Generationen nicht nah beieinander leben.

Und genau das war das Ziel dieses Geburtstagsgeschenkes: wir haben den gesamten Tag zusammen verbracht. Waren zusammen einkaufen, haben zusammen gekocht und das auf dieser wundervollen Finca, auf der jeder sich auch mal zurückziehen konnte, wenn er es kurz mal ein bisschen ruhiger brauchte.

Son Serra de Marina und Cala Torta

Sowieso haben wir es in dieser Woche auf Mallorca eher ruhiger angehen lassen. Das ist bei mir und meinem Mann Standard: kein Stress im Urlaub. Kein durchgetaktetes Sightseeing. Kein „Das müssen wir alles gesehen haben“. Wir haben uns in und um Artá aufgehalten. Strände, Buchten und Aussichten gesucht und meistens gefunden. Zeit genommen, um einfach stehen zu bleiben und den Blick schweifen zu lassen. Nach vorn zu blicken. Im wörtlichen und im übertragenen Sinn.

Coves del Drac

Und damit sage ich „Leb wohl!“ zu 2016 und auch zu 2015. Vielleicht hätte ich mich heute vor einem Jahr deutlicher und eindrücklicher vom Jahr verabschieden sollen. Leb wohl, auf nimmer wieder sehen! 2017 wird großartig. Weiß ich jetzt schon. Wenigstens in meinem kleinen Universum. Wäre nett, wenn es, weltweit betrachtet, wenigstens besser werden würde.

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