„Jeder kann zaubern, jeder kann seine Ziele erreichen, wenn er denken kann, wenn er warten kann, wenn er fasten kann.“ Hermann Hesse, 1922

Und als die Fähigkeit zu Denken letztes Jahr gefühlt an einem seidigen Faden hing, da ging mir sogar der Glaube an mein eigenes, oft nervraubend oft zum Besten gegebenes, Mantra „Alles wird gut (man muss nur lange genug warten)“ verloren. Weiterlesen

Hamburg

Es gibt so Tage, da kann man die eigenen 55 Quadratmeter und die 80 Quadratkilometer drumherum einfach nicht mehr sehen. Da muss man mal raus. Wie gut, dass wir eine Familie haben, welche in ganz Deutschland verstreut ist. Also schnell ein Zugticket gebucht und ab für ein paar Tage nach Hamburg.

Klingt ganz locker flockig, war es aber nicht, denn der Zug hatte in Summe über drei Stunden Verspätung. Aber die Passagiere waren ziemlich gelassen (ändern kann man ja eh nichts, wa) und ganz unterhaltsam, Kinder schlafend und so sind wir erst gegen Mitternacht, aber tatsächlich halbwegs entspannt, in Hamburg angekommen.

Ich war nun schon ein paar mal in Hamburg, aber so sorglos war es bislang nie. Kein Stress, keine Hektik, kein ernsthaftes Sightseeing – einfach nur Zeit für mich selbst und ein paar meiner Lieblingsmenschen.

Planten un Blomen

Mein Blumenkindherz schlägt höher – nach einem sehr enttäuschenden Besuch bei einer Landesgartenschau in Bayreuth, habe ich doch tatsächlich Blümchen gesehen. Und Schildkröten! In Hamburg!
Die Grundstein-Platane für diesen zauberhaften, fast 50 Hektar großen Parl wurde bereits 1821 gepflanzt – und sie steht immer noch am Eingang rum. Ich habe über vier Stunden in dem Park verbracht und mir einfach alle Stunde einen neuen Beobachtungsposten gesucht.

Landungsbrücken

Ich hatte zwei Wünsche für die Freizeitgestaltung. Nummero Uno: ein echtes Fischbrötchen. Wenn nicht sogar DAS BESTE Fischbrötchen. Die gibt es, gemäß einschlägigen Bewertungsportalen und Onlineartikeln lokaler Zeitungen, bei Brücke 10.

Speicherstadt

Zweiter Wunsch: Eine kleine Fototour mit meinem Lieblingsfotografen Stephan Ziehl. Ich liebe solche gemeinsamen Fototouren. Es ist spannend zu sehen, wie unterschiedlich ein und der selbe Ort von zwei Menschen wahrgenommen wird. Zwischendurch wurden wir Zeugen eines echten Fashion-Shootings mit hübscher junger Frau und sportlichem Radfahrer im Hintergrund. Und auf zwei oder drei Fotos dann wohl zwangsläufig auch mit uns.
Als Krönung dieses wunderbaren Tages wurde ich in eine Crêperie eingeladen, welche wohl auch zu den heißesten (im wahrsten Sinne des Wortes – flambierter Crepe – HAMMER sag ich euch) Insidertips in Hamburg gehört. Reservieren oder anstehen und warten. Aber es lohnt sich!

PortugiEsisches Viertel und Michel

Zu guter Letzt habe ich mich noch mit einem langjährigen, engen Freund getroffen, der seit einigen Jahren in der Nähe von Hamburg und seit mehr oder weniger Kurzem in Hamburg lebt. Er hat mir, zusammen mit seiner zauberhaften Freundin, das portugiesische Viertel gezeigt. Ein besonderes Highlight und vielleicht sogar ein kleiner Geheimtip, ist die niedliche kleine Gasse mit den sogenannten Krameramtswohnungen, welche man südöstlich des Michels findet. Diese Mini-Wohnungen wurden Witwen zur Verfügung gestellt, damit sie den größeren Wohn- und Arbeitsplatz, den sie zu Lebzeiten ihrer Gatten bewohnten, jüngeren Krämern abtreten konnten.

Hamburg ist nicht nur absolut immer und zu jeder Tages-, Nacht- und Jahreszeit eine Reise wert, sondern vermutlich auch eine der lebenswertesten Städte Deutschlands.

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Darfs ein bisschen ruhiger sein? Flitterwochen auf Santorini in einer Nicht-Saison

Manchmal darf es ganz ruhig sein. Ruhig im Sinne von „wenig Action“, nicht unbedingt ruhig im Sinne von akustischer Ruhe.

Für unsere Flitterwochen flogen wir nach Santorini, jener griechischen Insel, deren weiße Häuser mit blauen Dächern so ziemlich jedes Deckblatt eines Griechenland-Reiseführers zieren. Und wir flogen im März. Gemäß unseres Reiseführers eine Nicht-Saison. Also weder Haupt-, noch Nebensaison. Dafür sprachen einige Dinge: Erstens sind die Temperaturen im März in einer für uns erträglichen Höhe, nämlich gemütliche 16 bis 20 Grad. Zweitens tummeln sich in der Hauptsaison tausende Touristen auf der Insel, die sich in den schmalen Gassen der Must-Seen-Dörfer, von der halben Größe meines Heimatdorfes, gegenseitig auf die Füße steigen, um beispielsweise dem Oia sunset unique view beizuwohnen. Was die rezeptionstheoretische Frage aufwirft, wie einmalig oder einzigartig etwas sein kann, wenn man es sich gleichzeitig mit 1.000 anderen Touris teilt.

Aber sei es drum, wir waren ja (fast) allein ;-). Drittens kann man sich in der Nicht-Saison auch eine luxuriöse Honey-Moon-Suite in einer der berühmten Höhlenwohnungen von Oia mit Blick auf die Caldera leisten, für welche man ein paar Monate später ein Vielfaches bezahlen würde. Und wenn man sich dann in so einer Suite einquartiert hat, dann stört es auch ganz und gar nicht, wenn es zwei Tage gwittert und stürmt – so ein Gewitter über dem Vulkan vorbei ziehen sehen, hat etwas Magisches.

Eine schlechte Idee ist es übrigens in einer Nichtsaison zum Hafen Ammoúdi in Oía herunter zu laufen. Während man nämlich in der Neben- und Hauptsaison zu Esel oder per Taxi den Berg wieder hoch kommt, muss man sich in der Nichtsaison die Stufen wieder mühsam hochquälen.

Der Süden und Akrotorí

Wenn man mehr als eine Woche auf einer derart kleinen Insel verbringt, hat man viel Zeit sie intensiv zu erkunden. Wir haben sie, glaube ich, drei- oder viermal umrundet ;-).

Gleich an einem der ersten Tage fuhren wir zum südlichsten Punkt der Insel, dem Leuchtturm Fáros. Von hier aus genießt man, gutes Wetter vorausgesetzt, einen herrlichen Blick über die Caldera bis hin zu Oía, der Hauptstadt Firá und den Inseln Thirasia, Palea Kameni und dem Krater Nea Kameni. Das ist bei Regen und Sturm und an für sich auch schon ganz spannend, aber wir mussten dennoch ein zweites mal, diesmal bei schönem Wetter, hin.

Ebenfalls im Süden, findet man den roten Strand „Paralía Kókkini“ und den weißen Strand „Paralía Áspri“. Gerade der rote Strand wirkt wahnsinnig beeindruckend.

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Hier findet man auch zwei der bedeutensten Ausgrabungsstätten von Santorin: zum einen Akrotíri und zum anderen etwas nördlich von Perissa Alt-Thera. Zu letzterem kommt man über eine abenteuerliche und vorallem für den Beifahrer nervenaufreibende Serpentinenstraße – nur um dann oben angekommen, festzustellen, dass man nichts sieht und vermutlich noch etwa eine Stunde über Felsen zu den Ruinen kraxeln müsste. Bei sonnigem, aber stürmischen Wetter kam uns das wenig verlockend vor und so haben wir von Alt-Thera nur ein Panorama mitgebracht, auf dem zwar nicht die Ruinen, aber das Dörfchen Kamari zu sehen ist.

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Aber es gibt ja noch eine zweite Ausgrabungsstätte. Und Akrotíri ist überdacht und leicht zu erreichen. Und sie wird von einer Armee Katzen bewacht. Sehr sympatisch das Ganze. Angeblich sehen wir hier die Überreste der ältesten Stadt Europas. Ob das stimmt, sei dahin gestellt. Aber man sieht hier tatsächlich gut erhaltene Mauern, Hauswände und sogar Tonkrüge.

Nea Kaméni und Heiße Quellen

Ein ganz besonderes Highlight war unser Bootsausflug zur Kratermitte der Caldera. Inklusiv Vulkanbesteigung und späterem Baden in einer heißen Quelle.

Von einem der Häfen der Haupstadt Firá aus starten wir unsere Tour zum Nea Kaméni, um den Krater zu besteigen. Spektakuläre, dampfende Ausbrüche haben wir nicht gesehen, aber die Schönheit liegt für mich sowieso oft in den von Vielen übersehenen Kleinigkeiten am Wegesrand.

Danach ging es weiter zur kleinen Schwesterinsel Palea Kameni: es hat mich ja durchaus Überwindung gekostet, vor etwa 100 Asiaten mit gut 20 anderen Junggebliebenen und wirklich jungen Menschen ins eiskalte Wasser zu springen und die etwa 50m zur heißen Quelle zu schwimmen. Begleitet vom Klicken der Kameras – die Schisser!

Dafür wurden wir mit unglaublich angenehm warmen, schwefelhaltigem Wasser und gackernden Hühnern (wie kommen die da um alles in der Welt hin?) am Ufer belohnt. Nur der Weg zurück war noch mal hart: der Temperaturunterschied zwischen warmer Quelle und Ägäis lag bei gefühlt mindestens 20°C.

Norden

Wenn man aus Oía raus will, hat man im großen und ganzen 2 Möglichkeiten. Eine Straße am Kraterrand entland oder nördlich am ägäischen Meer entlang. Unser Reiseführer widmet dem Norden exakt eine halbe Seite. Sehr viel mehr ist da aber auch wirklich nicht los. Aber das ein oder andere Motiv haben wir dann doch gefunden.

So ihr Lieben, ich hoffe die kleine Bilderflut hat euch gefallen! Wir können Santorin für ein paar Tage Urlaub auf jeden Fall empfehlen. Vielleicht mal im Rahmen eines Inselhoppings durch die Ägäis?