Kurzgeschichte über Seeohren DIY "Anleitung" abalone Spielbrett

Ich weiß nicht, ob ich es hier schon mal irgendwo erwähnt habe, aber ich bin ein ausgesprochen großer Freund von Kurzgeschichten bzw. Novellen. Dramen sind auch ok, solange sie nicht drölftausend Akte haben, sondern in annehmbarer Zeit zum Punkt kommen. Parallelgeschichten, deren Handlungsstränge sich dann mal irgendwann im Laufe von 3.000 Seiten je Triologie-Teil ineinander flechten, sind mir zuwider. Elend lange Detailbeschreibungen auch. Kurz und knackig, schnell auf den Punkt kommen, am liebsten in Reclamheftchen-Umfang – das ist meine Welt.

Im krassen Gegensatz zu meinen Lektürevorlieben, steht mein Schreibverhalten. Dessen bin ich mir durchaus bewusst. Randbemerkung zur Verdeutlichung des Sachverhaltes: Eine typische Magisterarbeit umfasst so 80-100 Seiten. Meine hatte 170. Ohja! Und um das aktuelle DIY-Projekt zu erklären, bedarf es leider einiger Parallelgeschichten, die auch munter auf der Zeitleiste hin und her springen. Da müsst ihr nun durch. Oder ihr schaut euch nur die Bilder an – das ist auch ganz legitim.

abalone_004Angefangen hat alles mit einem Solitär. Wer an dieser Stelle an ein Windows-Kartenspiel denkt, denkt zunächst einmal genau wie ich – liegt aber völlig falsch. Dieses heißt nämlich eigentlich Klondike (was zurecht völlig bescheuert klingt) und ist deutlich jünger als jenes Solitär, von dem hier die Rede ist. Das geht nämlich zurück bis ins 17. Jahrhundert. Am Hof von Ludwig XIV soll dieses Ein-Mann-Brettspiel erstmalig gespielt worden sein.

Mit der Herstellung eines Solitär unter fachmännischer Anleitung und Gebrauch von professionellen Hilfsmitteln, begann auch die Geschichte dieses abalone-Brettes. Denn mein Mann, deutlich gebildeter als ich, wusste natürlich, dass Solitär nicht in erster Linie ein Zeitvertreib während der Arbeit des Informatik-Unterrichts ist, sondern eben ein Brettspiel. Allerdings nicht, wie in meiner Variante, mit Löchern und Stäben, sondern mit Kugeln.

abalone_003„Kugeln“ wird später ein Stichwort sein, vorerst aber ein weiterer Handlungsstrang. Auf die regelmäßige Frage meiner Mutter, was ich denn diese Woche unter fachmännischer Anleitung und Gebrauch von professionellen Hilfsmitteln (muss mehrfach erwähnt werden, wird nämlich bald wichtig) gebastelt habe, antwortete ich wahrheitsgemäß „ein Solitär“. Nachdem wir geklärt hatten, dass es sich nicht um ein Windows-Kartenspiel handelt, sondern um ein Brettspiel, erwähnte meine Mutter, dass einer der Brüder der Frau meines Bruders ein Tac-Spielbrett selber hergestellt hat. Sicher unter Verwendung professioneller Hilfsmittel, so bekloppt wie ich kann unmöglich ein Zweiter sein. Ein Tac-Spielbrett. „Schon eine ziemlich geile Sache“, dachte ich mir so. Zumal Tac ein wirklich cooles Spiel ist. Aber zwangsläufig irgendwie ziemlich groß und damit ziemlich aufwändig. Denn was für Lektürevorlieben gilt, gilt auch für Produktionen: ich möchte schnell Ergebnisse sehen und alsbald auch wieder fertig werden (kann man sich ja wünschen, nä?).

Lieber eine Nummer kleiner anfangen. Nur womit? Ein Solitär hatte ich bereits ausgeschlossen. Zum Glück gibt es die Google Bildersuche, welche ich schlicht mit „Brettspiel+Kugeln“ bemühte. Tatsächlich ergab das wenig sinnvolle Ergebnisse, bis auf eben jenes, nämlich abalone. „abalone“ – ja cool, das kenne ich (von meinem Bruder und seiner Frau – um wieder einen Bogen zu schließen). Außerdem brauche ich dafür nur 61 Löcher, nicht 80 wie bei Tac. Das kam mir dann durchaus überschaubar vor.

abalone_002Einige Wochen zuvor stolperte ich bei Pinterest über sogenannte Stringart-Bilder. Nennt man das auf Deutsch Faden-Kunst? Klingt irgendwie seltsam. Auf jeden Fall geht es dabei um das Gestalten von Motiven auf Holz mittels Nägeln und darum gewickelten Faden. „Duffte Idee“ dachte ich damals und kaufte ein dunkelbraunes Brett und Nägel. Dieses Brett fuhr dann eine ganze Weile im Auto spazieren, denn die zündende Idee, welches Motiv ich da nun eigentlich nageln und wickeln will, ist bis heute noch nicht da.

Dafür hatte ich, als ich total spontan auf die Idee kam ein abalone Spielbrett herzustellen, schon ein Stück Holz im Kofferraum. Super Sache. Fix mit professionellen Hilfsmitteln am PC eine Vorlage erstellt, ausgedruckt und abgepaust. Parallel dazu die Fachfrau meines Vertrauens gefragt, mit welchem professionellen Hilfsmittel ich denn so halbrunde Löcher in das Brett kriege, damit später Kugeln reinpassen. Ich hatte irgendwie gehofft, sie würde mir sagen „Ja, da gibt es so einen Aufsatz für die Bohrmaschine“, aber nein, sie wog den Kopf kurz hin und her und meinte dann „Das geht nur mit einer Fräse.“. Entgegen dem Klischee einer Frau bin ich ja durchaus im Besitz von so einigen professionellen Hilfsmitteln für die Heimwerkerei. Eine Schlagbohrmaschine, ein Bohrhammer, diverse Handsägen und eine Stichsäge. Aber eine Fräse? Hab ich nicht. Und verdammt – ich hab auch immer noch keinen Dremel! Und keinen Werkzeugkoffer, obwohl der schon ganz oft auf dem Wunschzettel für den Weihnachtsmann stand. Der Weihnachtsmann hält scheinbar nicht viel von heimwerkenden Frauen. Das sind Zustände hier – furchtbar.

abalone_006Nun war ich wirklich nicht bereit für diese erste Schnappsidee dieses erste Holzprojekt eine Fräse zu kaufen. Wobei das ja nicht ganz der Wahrheit entspricht. Mein erstes Holzprojekt ist das nun nicht, aber bislang bin ich mit „Geradeaus-Sägen“ gut hingekommen. Also habe ich gegoogelt, es durfte und konnte und sollte einfach nicht sein, dass es nichts zweckmäßiges gibt, was ich in eine Bohrmaschine einspannen kann. Und tatsächlich, da gibt es etwas. Das ist zwar, glaube ich, für Oberfräsen gemacht, aber in eine Bohrmaschine gehts auch. Super Sache.

Wieder daheim angekommen, testete ich an einem Stück Holz, außerhalb der abgepausten Vorlage, den wunderbaren Fräser aus und lernte, dass Vorbohren eine gute Idee ist. Kein Problem – ich hab ja eine Bohrmaschine. Nur, und das war mir wirklich nicht bewusst, habe ich scheinbar noch nie Löcher in Holz gebohrt. In Gipskarton, in Beton und Stahlbeton – aber nicht in Holz. Und wer glaubt, dass ein Bohrer, der durch Stahlbeton kommt, auch Löcher in Holz bohrt, der irrt. Also – zurück in den Baumarkt und die ersten Holzbohrer meines Bastlerlebens erstanden.

abalone_010Nun konnte es aber endlich mal losgehen! Löcher fleissig vorgebohrt, so wie sich das für professionelles Arbeiten gehört, und dann munter losgefräst-bohrt. Und festgestellt: so ein Scheissbrett! Das ist nämlich so: das wunderschöne dunkelbraune Brett für 6,99 EUR vom Baumarkt-Grabbeltisch, ist ein sogenanntes Leimbrett. Bei einem Leimbrett werden (und nein, das habe ich jetzt nicht gegoogelt, das behaupte ich jetzt voller Selbstvertrauen) verschiedene Hölzer zusammen geleimt und in diesem Fall auch noch hübsch dunkel lasiert. Dabei werden scheinbar mitnichten gleichartige Hölzer miteinander verbunden, sondern auch in ihrer Beschaffenheit völlig unterschiedliche! Das führt wiederrum dazu, dass sich ein paar Fräsbohrlöcher wunderbar einfach fräs-bohren ließen, andere wiederrum so gut wie gar nicht. Außerdem bestätigte sich mal wieder, dass Design und Funktionalität mitnichten Hand in Hand gehen. So wählte ich für die Platzierung meiner Vorlage eine Stelle im Brett, in der ein wunderschönes Astloch zu erkennen war. Blöde Idee. Hat mich aber an dieser Stelle noch überhaupt nicht aufgeregt. Ehrlich nicht.

abalone_008Schwierig wurde es dann erst als mich das Gefühl beschlich, dass ich irgendetwas Wesentliches in meiner Planung vergessen hatte. Mal abgesehen von den professionellen Hilfsmitteln. Ich bemühte also erneut die Google Bildersuche mit dem Stichwort abalone. Das Ergebnis war zu tiefst verwirrend. Denn heraus kamen hunderte Seiten mit Fotos von einer wilden Kreuzung aus Muscheln und Schnecken. Bildungsgoogeln: Abalone ist ein anderer Name für sogenannte Seeohren. Diese Schnecken leben im Wasser (und haben übrigens KEINE Ohren!) und wer glaubte, dass der Zeitsprung zu Luis XIV noch nicht weit genug hergeholt war, dem sei gesagt, dass es diese Schnecken schon im Maastrichtium gab, einem Subzeitalter der Kreidezeit. Das wiederrum wirft die Frage auf, wie jemand auf die Idee kam das Brettspiel nach einer Schnecke zu benennen, denn die naheliegenste Antwort: „Hat halt die Form“, ist scheinbar bzw. offensichtlich nicht die richtige Antwort.

abalone_009Zumindest brachte mich Google mit „abalone+Spielbrett“ dann doch noch etwas weiter. Was ich übersehen hatte war, dass diese nun nahezu formvollendeten Löcher mittels Nuten miteinander verbunden sind. Diese Nuten sind nicht etwa nur Zierde, sondern sie verfolgen auch einem sinnhaften Zweck, nämlich jenem, dass die Kugelreihen mit dem Ziele der Besiegung des Gegners, verschoben werden können. Und schon wieder war ich beim Fräsen, denn mir wollte beim besten Willen nicht einfallen, wie ich diese Nuten mit zweckentfremdeten Hilfsmitteln herstellen kann. Es folgten Stunden des mehr oder weniger hochmotivierten Googelns nach finanziell erschwinglichen Lösungen mittels Fräse (Oberfräse) oder wenigstens einem Dremel. Unbefriedigt machte ich dann doch erst mal weiter mit den Löchern. Denn diese hatten, aufgrund einer sich mir nicht erschließenden Konstruktion des Fräsaufsatzes für die Bohrmaschine, in der Mitte einen Knubbel. Das geht so natürlich nicht, der Knubbel muss weg.

abalone_011Kurz überlegt und dann ist mir eingefallen, dass ich irgendwann, es müsste so ein oder zwei Jahre her sein, Linolbesteck erwarb zum Zwecke der Druckvorlagenherstellung. Ein Hobby, welches nur kurz währte und seitdem ein, wenigstens aufgeräumtes, Dasein im Inneren einer weißen IKEA-Pappschachtel (gibt es eigentlich überhaupt noch einen Haushalt, ohne diese Pappschachteln?) fristet.

Mit diesem Linolbesteck befreite ich die Löcher also von ihren Knubbeln und … rutschte ab. Und hey! Ich hatte ausversehen eine Nut geschaffen. Dolled Ding! Frohen Mutes schnitzte ich also weiter mit dem Linolbesteck die Nuten, anfangs auch sehr erfolgreich, denn immer in Richtung der Fasern. Oder heißt das bei Holz dann „in Richtung der Maserung“?

abalone_013Doch bald sollte ich wieder Opfer der undurchdachten Brettwahl werden, denn Schnitzen gegen die Maserung oder im 45° Winkel dazu war schier unmöglich. Es splitterte und brach und sah schlichtweg einfach scheiße aus. Da mir aber keine finanziell erschwingliche Alternative dazu einfiel, zog ich es gnadenlos durch. Gedanklich war ich aber schon längst bei „kann man ja auch wegschmeißen“.

Wer bis hierhin gelesen hat, kann mich des Faselns bezichtigen und das misbräuchliche Verwenden von Handwerksmaterial anprangern. Gern gelesen und gehört sind auch Vorträge über Arbeitssicherheit, denn während ich nur zu gern wahrheitsgemäß behaupten würde, ich würde in einem Hobbykeller an einer Werkbank mit professionellen Hilfsmitteln und Schutzbekleidung arbeiten, sieht es tatsächlich so aus: mein Hobbykeller ist ein drei Quadratmeter großer Balkon, meine Werkbank ist ein Tritthocker vom Möbelschweden und Schutzbekleidung ist schlicht nicht vorhanden. Dafür eine große Portion Mut und Dummheit. Und ein bisschen Irrsinn, was Folgendes sicher hinreichend belegt:

abalone_014Ich bin in Besitz eines Pediküresets. Seit etwa drei Jahren schon. Erworben auf einer Aktionsfläche eines Drogeriemarktes, betrieben mit zwei AAA Batterien. Dieses Pediküreset, ursprünglich tatsächlich dazu gedacht die Füße zu verschönern, dient seit geraumer Zeit als Dremelersatz. Zumindest stelle ich mir vor, dass man soetwas mit einem Dremel macht. Und wann immer bei meinen Betonexperimenten etwas nicht formvollendet war, wurde es mit eben jenem Pediküreset zurecht geschliffen. Dabei erstaunt mich – bis heute – dass es das Schleifen von Beton ohne merkbare Abnutzungserscheinung übersteht. Was wiederrum die Gedanken schweifen lässt zu der Frage, auf was für Fußnägel dieses Set bitte ausgelegt ist. Stirnrunzeln.

Auch wenn ein Stahlbetonbohrer nicht für Holzarbeiten geeignet ist, so hielt ich es doch für nicht ganz unwahrscheinlich, dass ein Stahlbetonfußnagel-Pediküreset für Holz geeignet sein kann. Damit wollte ich dann also den ausgerissenen und ausgefransten Nuten den Feinschliff verpassen. Hat tatsächlich auch halbwegs gut funktioniert, aber der kleine Perfektionist in mir war nicht zufrieden gestellt.

abalone_015Letzter Zeitsprung: 2006 begann ich zu studieren. Wie es sich damals für einen ordentlichen Studenten gehörte, fuhr man ein möglichst altes Auto, bis es wirklich nicht mehr fahren wollte. Neben kleineren und größeren Reparaturen im Laufe der Jahre und im Werte von mindestens einem neuen gebrauchtem Auto, war ein erstes Anzeichen des entweichenden Lebenshauchs die Entwicklung eines Eigenlebens des Autoradios. Genauer gesagt: des CD-Players. Selbstbewusst wie ich bin, sah ich darin kein größeres Problem und kaufte ein neues Radio samt Blende, denn in einem Ford Focus findet man mitnichten genormte Maße. Alles war super durchdacht bis auf Eines: das neue Radio war zu lang für den Schacht. Irgendwo ganz hinten war eine Plastikquerstrebe. Unter Überschätzung des eigenen handwerklichen Könnens fuhr ich in einen Baumarkt und kaufte eine Feile. Wäre doch gelacht, wenn ich etwas Nicht-Passendes, nicht passend machen könnte. Ende vom Lied: gepasst hats nicht und zwei Monate später haben wir uns ein neues Auto gekauft. Aber so kam ich in den Besitz meiner ersten Feile.

abalone_016Weiß Gott warum, diese Episode aus meiner Studentenzeit kam mir gestern in den Sinn. Und damit war klar: ich brauche eine Feile, denn die von damals gibt es zwar noch, ist aber viel zu groß und überhaupt nicht schön halbrund, so wie ich mir die Nuten vorstelle.

Ich hatte ja so meine Zweifel, dass eine Feile im Gegensatz zu dem äußerst professionell verwendeten Pediküreset den gewünschten Erfolg bringen wird. Aber – Trommelwirbel – tatsächlich hat das Spielbrett dank der Feile nun ein Aussehen erreicht, welches ich ohne Scham online präsentieren kann. Ich hätte auch so Fotos davon online gestellt, aber zweifelsfrei mit Scham. So eben ohne.

abalone_017Wer bis hierhin gelesen hat: RESPEKT! Aber wirklich. Derjenige weiß dann jetzt auch, warum in meinen Texten immer mal wieder Flüchtigkeitsfehler, Tipfehler bzw. richtige Fehler sind. Ich kann Texte, die ewig nicht zum Punkt kommen, nicht leiden. Und deswegen lese ich sie nicht. Und schon gar nicht ein zweites Mal.

 

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

That yellow Bastard Ein Downgrade-Upcycling-Projekt

Jetzt war es ein paar Tage eher ruhig hier und auch auf Instagram. Was nicht an weniger handwerklicher Produktivität lag, sondern eher an einer erhöhten kognitiven Produktivität. Ich habe nachgedacht. Mach ich im Grunde ganz gern. Multitasking ist für mich eine Lüge der modernen Welt und gern gebe ich zu: selbst wenn es das gäbe – ich kanns nicht. Und wenn ich gerade am intensiv Nachdenken bin – und Achtung, heute gibts Gedankensprünge – es gibt einen Unterschied zwischen Denken und Grübeln – dann will ich keine Ressourcen in schicke Fotos und die Vermarktung selbiger stecken. Dieses ganze Social-Marketing-Gedöns ist nämlich durchaus anstrengend. Über SEO und passende Keywords nachdenken. Über Satzlängen und Keyworddichte. Über Hashtags. Über möglichst ansprechendes, das heißt zumindest mit individuellen Texten versehen, Teilen in diversen Facebook Gruppen. Wenn man ganz krass drauf wäre, dann auch noch die passende Snapchat bzw. Instagram-Story dazu und natürlich google+ nicht vernachlässigen. Ja nee – keine Lust. Und keinen Willen, dafür großartig Energie freizusetzen. Energie die ich gerade für anderes verwenden möchte. Und wer sagt eigentlich, dass man sein Energie-Depot immer leeren muss? Kann ja auch mal was drin bleiben. Als Notreserve.Basilikum_Schale_09

That yellow Bastard

Dieser scheiß kleine gelbe Kobold in meinem Kopf. Und wahrscheinlich, so hoffe ich zumindest, existiert er in den Köpfen der meisten Menschen – mal mehr, mal weniger beachtet, wobei letzteres mit Sicherheit besser für ein ausgeglichenes Seelenleben ist. Gelb ist er – wie Roark jr.. Der geneigte Sin City Fan kennt ihn. Passend.
Basilikum_Schale_04Roark jr. ist diese kleine, hinterhältige, erst leise, dann immer lauter werdende Stimme, die meist im Konjunktiv zu dir spricht. Und später ist es kein Konjuktiv mehr, sondern ein Pseudo-Indikativ. Er tut so als ob. Lässt er dir am Anfang noch die Möglichkeit offen, über mehrere Varianten zu entscheiden, so übernimmt er später – und das kann auch mal ziemlich schnell gehen – die Rolle desjenigen ein, der etwas schlichtweg als Tatsache behauptet. Da reichen drei Umdrehungen im Gedankenkarussel. Aus „Was könnten die anderen denken?“ wird „Das denken die anderen.“. Das Karussel ist im vollen Gange, immer schneller, immer höher. Bis das Hirn ausgekotzt als stinkendes Meer aus Bröckchen vor einem liegt.
Basilikum_Schale_05Zentrifugalkraft vs. Zentripetalkraft. Der Gedanke auf einer Umlaufbahn und Roark jr. als Mittelpunkt. Aussteigen? Geht. Geht auch irgendwann immer einfacher. Aber am Anfang? Mut erfordert Kraft. Alleine rauskommen? Vielleicht. Leichter ist es, sich irgendwo versuchen festzuhalten. Den Strommast im Orkan suchen. Sich daran klammern. Oder aber: Roark jr. hat  den Ausweg gezeigt. Wollte er gar nicht, hat er aber gemacht. Denn er sprach von anderen. Kommunikation als Mast. Sich daran festhalten, erfordert Kraft. Ratgeberweisheiten: Was ist das Beste, was dir passieren kann? Was ist das Schlimmste, das dir passieren kann? Das scheinbar Schlimmste ist, dass er Recht hat. Was nun wiederrum auch nicht so schlimm ist, denn darauf hat man sich im Karussel ja bestens vorbereitet. Gewissheit: statt sich weiter zu drehen, kann man inne halten. Stoppen. Der Schwindel lässt nach.
Basilikum_Schale_04Aber that yellow bastard – tatsächlich hat er so gut wie nie Recht. Das ist natürlich das Beste, was einem passieren kann. Dass er Recht hat, ist aber nicht das Schlimmste, sondern das Zweit-Beste. Das Schlimmste wäre nicht zu erfahren ob er Recht hat. Und das hat jegliche Interaktion nun mal im Wesen – der Andere kann selbst entscheiden, ob er interagieren will.Basilikum_Schale_06Bei sich bleiben. Bei – sich – bleiben. Fatal: jetzt anfangen zu grübeln, was den anderen bewegt so zu agieren, wie er agiert. Könnte man nachfragen, aber nicht erdenken. Denken: zielgerichtet. Grübeln: kreisend, kein Ende in Sicht.

Vielleicht geht es auch nicht ums Aussteigen. Vielleicht auch nicht ums Festhalten. Sondern ums Loslassen. Was mir bei oben gemalten Gedankenexperiment irgendwie gefährlich vorkommt. Basilikum_Schale_07

Tatendrang

Tatsächlich bin ich gerade gar nicht so schwermütig, wie das alles vielleicht klingen mag. Ich bin sogar recht euphorisch. Was verdammt gut tut. Energie durchströmt mich, Tatendrang wird ausgelebt, ein Ziel wird klarer. Ziellos ist manchmal scheiße.
Basilikum_Schale_02Deswegen heute mal wieder etwas Geflochtenes. Diese Schale habe ich schon vor Monaten, bei einer meiner ersten Baumarkt-Eskapaden, erstanden. Eigentlich war es wohl ein Übertopf. Mit dem ich ähnliches vor hatte wie bei dieser Vase. Aber dann verwaiste er auf meinem Balkon. Irgendwann zerbrach ich ihn dann mal, weil ich gern diesen „zerbrochenen-alten-Second-Hand“-Look wollte. Zerbrach zu viel, klebte wieder zusammen. Und dann stand er wieder da. Später: Löcher vorzeichnen. Tage vergingen, Wochen vergingen (das Laub färbte sich, es wurde kühler, die Jahreszeiten rasten an mir vorbei) und er durfte ab und zu mal von einer Ecke in eine andere weichen. Eines Tages brauchte eine meiner Betonschalen ein Loch und bei der Gelegenheit beschloss ich, den zerbrochenen, geklebten Übertopf nun endlich auch mal zu löchern.
Basilikum_Schale_01Ein echtes Langzeitprojekt, denn auch nach dem eher pflichtgemäßen Löchern, was der albernen Annahme geschuldet war, dass es ja viel zu aufwändig wäre, die Bohrmaschine erneut irgendwann auszupacken (was ich zwischenzeitlich mindestens noch fünf Mal gemacht habe), habe ich mitnichten direkt weiter gemacht. Gut Ding will Weile haben. Viel Weile. Und erst gestern Abend überkam es mich und es war bereits fast dunkel, als ich einige Peddigrohre zum Wässern in einen Metallkübel gab und sie letztendlich dann auch noch durch die Löcher durchgefädelt und mit Bast befestigt habe. Und anstatt die Schale wieder wochenlang aufs Abstellgleis zu schieben, habe ich sie heute dann tatsächlich fertig geflochten. Und lackiert! Alter Schwede, das Ganze artet noch in Hektik aus :D.Basilikum_Schale_10

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Videotutorial: Stiftehalter aus Beton Oder: Auf Film gebanntes Einsauen des Wohnzimmertisches.

Einen wunderschönen guten Morgen wünsche ich euch!

Neulich bekam ich auf Instagram die Frage, wie ich denn die Löcher in meine Gefäße bekomme. Und da wurde mein Elan geweckt und ich habe mich an meinem ersten DIY-Video-Tutorial probiert! Viel Spaß beim Anschauen und Nachmachen!

Was ihr alles für einen Stiftehalter aus Beton benötigt:

Materialien

Tutorial_Stiftehalter_Beton_001

  • Einen 0,4 l Plastik-Getränkebecher. Kann auch gern auf einer Grillparty geklaut sein, aber bitte ordentlich abspülen.
  • Einen 0,2 l Plastikgetränkebecher. Beschaffungsmaßnahme von Einzelstücken siehe voherigen Punkt.
  • Beton als Fertigmischung oder selbstgemischt. Ich verwende gern den Gießbeton von Boesner.
  • Sand, um den kleinen Becher zu beschweren. Alternativ gehen auch Steinchen oder was sonst zum Beschweren bei euch rumliegt.
  • Wasser
  • Eine oder mehrere Schnüre um die stylischen Knicke in den Becher zu machen.
  • Ein Stäbchen, einen Löffel oder sonst irgendetwas zum Anrühren des Betons.
  • Malerkrepp: falls eure Beschwerungsmaßnahmen nicht ausreichen.

Step 1: Beton anmischen

Tutorial_Stiftehalter_Beton_002Das könnt ihr natürlich auch in einem dritten Gefäß machen, was letztendlich vielleicht sogar sinnvoller ist, da sich der Beton in einem größeren Gefäß besser mischen lässt und sich danach auch besser abschätzen lässt, wie voll man den 0,4 l Plastikbecher machen sollte.

Bitte orientiert euch an die Herstellerangaben zum Mischungsverhältnis auf der Packung eures Betons. Fangt mit weniger Wasser an – verdünnen kann man immer noch.

Step 2: In Form bringen

Tutorial_Stiftehalter_Beton_003Befüllt den größeren Plastikbecher nun etwa zur Hälfte mit Beton (nicht wie im Video – bei mehr Beton gibts ne Sauerei :D) und setzt den kleineren, mit Sand gefüllten, hinein. Falls er trotz der Beschwerung nach oben schwimmt, fixiert ihn noch mit einem Stück Malerkrepp.

Step 3: Becher zerknicken

Tutorial_Stiftehalter_Beton_004Nehmt euch euren Strick oder eure Stricke und bindet sie fest um den Becher, bis Knicke entstehen. Fest verknoten und das wars auch schon. Achtung: bindet nicht zu fest, denn sonst stoßt ihr an den inneren Becher und dort entstehen am Ende Löcher. Das kann man aber durchaus auch als kreatives Element einsetzen. Experimentiert!

Step 4: Warten

Lasst euren Beton nun aushärten. Im Video habe ich in etwa zwei Stunden gewartet, aber das ist von Beton zu Beton sehr unterschiedlich. Das kann auch schon mal einen Tag dauern. Wenn ihr euren Stiftehalter anfasst und nichts mehr nachgibt, könnte der Beton trocken sein.

Step 5: Befreit den Becher!

Tutorial_Stiftehalter_Beton_005Den inneren Becher könnt ihr ganz leicht lösen. Entfernt dafür den Sand und entnehmt den Becher einfach. Beim äußeren Becher wirds minimal schwieriger. Schneidet den Rand mit einer Schere vorsichtig ein und dann könnt ihr den Plastikbecher einfach „abrollen“. Wenn ihr mit einer Konservenbüchse arbeitet, funktionierts genau so, nur dass euch da eine Schere nicht mehr weiter hilft, sondern eher ein Seitenschneider. Und Obacht! Geschnittenes Metall ist natürlich bösartig scharf, da muss man schon aufpassen.

Step 6: Finetuning

Tutorial_Stiftehalter_Beton_006Ränder schleifen und dann den Stiftehalter nach Lust und Laune bemalen. Das wars 🙂

Ich wünsche euch viel Spaß beim Basteln!

Musik: Turbo Tornado by Admiral Bob (c) copyright 2016 Licensed under a Creative Commons Attribution (3.0) license. Ft: Blue Wave Theory

Blumenampel-Makramee mit Betonschale und Tillandsien Hängende Gärten

Einen wunderschönen guten Morgen wünsche ich euch!

Jetzt wird  kombiniert: Makramee und Beton. Mit Beton habe ich nun schon öfter gearbeitet: Lampenfassungen, Blumenvasen, Schalen – ein bisschen was werde ich euch irgendwann auch mal zeigen. Außerdem hatte ich Ideenbücher für das Gestalten mit Beton im Briefkasten – es wird also noch lange Zeit weiter gehen :D.

Heute aber erst mal ganz kleine Schalen für Mini-Makramee-Blumenampeln. Die sind wirklich einfach hergestellt. Man braucht nur zweigeteilte Plastikhohlkugeln aus dem Baumarkt in zwei verschiedenen Größen und eben einen Beton der Wahl.

Wie dem auch sei. Man rührt den Beton an, ölt die größere der Plastikhohlkugelhälften von innen und die kleinere von außen ein und kippt ein bisschen Beton in die erstere. Dann setzt man die zweitere hinein und drückt sie tief, beschwert sie mit irgendetwas (ich nehme Sand) und befestigt diese wiederrum mit Malerkrepp, damit die kleine Plastikhohlkugelhälfte auch wirklich nicht auftreibt.

Für die Blumenampel knüpfe ich momentan am liebsten den gedrehten Knoten bzw. Spiralknoten. Demnächst probiere ich mich aber mal an soetwas aus.

Über den wirklich zauberhaften Blog Fee ist mein Name wurde ich vor sicher gut einem Jahr mit Tillandsien bekannt gemacht. Das Zeug war mir gleich sympathisch: Nur ab und an mit Wasser besprühen und alle sind glücklich. Naja, so ähnlich zumindest, aber sehr viel aufwändiger ist es wirklich nicht.

Und hier das Ganze nun in seiner vollen Pracht vor unserem Wohnzimmerfenster:Makramee Beton Tillandsien

Verlinkt auf creadienstag, handmadeontuesday & dienstagsdinge.

Upcycling-Projekt: Vase aus Peddigrohr und zerbrochenem Krug Es artet so ein kleines bisschen aus

Ich gebe zu, es artet ein bisschen aus. Nach der ersten Vase aus Peddigrohr habe ich schon mehrere Basis-Tiekholz-Schalen und einen Tontopf gekauft. Mit dem Tontopf zu Hause in der Hand fragte ich mich, ob ich da überhaupt Löcher reingebohrt bekomme, ohne dass der Topf zerbricht (vorher drüber nachdenken, wäre ja langweilig…). „Zerbrechen“ war das Stichwort, denn ich erinnerte mich dunkel, dass ich in der Abstellkammer noch einen Krug hatte, bei dem vor einigen Jahren der Henkel abgebrochen war. Super zum Ausprobieren, ob man Ton gut durchbohren kann, ohne alles kaputt zu machen.

Noch mal fix zum Baumarkt gefahren (warum bekomme ich da eigentlich keinen Rabatt?) und einen Steinbohrer gekauft. Testbohrung: oh das klappt ja super!

Geflochtene Vase aus Peddigrohr und zerbrochenem Krug

Den geplanten Verlauf der Bohrungen dann, wie man unschwer erkennt, erst mal mit Malerkrepp abkleben und die Bohrlöcher anzeichen. Bohren und dabei hoffen, dass die geglückte Probebohrung kein Zufall war. Und dann heißt es flechten, flechten, flechten. Peddigrohr ist ein wirklich angenehmes und leicht zu verarbeitendes Material, mit welchem man vorallem schnell Ergebnisse erzielt.

Ein weiteres Detail befindet sich dann oben am Rand:

Geflochtene Vase aus Peddigrohr und zerbrochenem Krug

Und zum Schluss wollte ich noch gern die Farbe der Vase wieder aufgreifen. Am liebsten mit Farbverlauf. Doch was tun? Färben mit z.B. Batikfarben? Ansprühen finde ich ja leichter. Nur finde im Baumarkt mal genau diesen Blauton… Also Grün und Blau gekauft und dann abwechselnd besprüht. Von Nahem sieht das dann so aus:

Geflochtene Vase aus Peddigrohr und zerbrochenem Krug

Ganz zum Schluss wieder lackiert. Vase rin, Wasser rin, Blümchen rin – fertig!

Geflochtene Vase aus Peddigrohr und zerbrochenem Krug